Samstag, März 08, 2008

Wallraff will "Islam positiv provozieren"

Köln (Deutschland), wikinews 08.03.2008 – Der Kölner Schriftsteller Günter Wallraff plant eine Lesung der „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie auf dem Gelände einer Moschee in einem nicht näher bezeichneten Ort in Deutschland. Diese Ankündigung machte Wallraff am Freitag auf dem Literaturfestival lit.Cologne.

Der 1988 erschienene Roman Rushdies hatte in der islamischen Welt für Aufregung gesorgt, weil die darin enthaltene Darstellung des Propheten Mohammed als Beleidigung des Islam interpretiert worden war. Der damalige iranische Religionsführer und Staatsoberhaupt der islamischen Republik Iran, Ayatollah Khomeini, hatte Rushdie wegen der Veröffentlichung des Romans 1989 mit einer Fatwa belegt. Der indisch-britische Schriftsteller lebt seither im Untergrund.

Wallraff beabsichtigt mit der Lesung in einer Begegnungsstätte auf dem Gelände einer Moschee eine „positive Provokation“, die dazu beitragen soll, das literarische Werk Rushdies als ein „Stück Weltliteratur“ wahrzunehmen. Ursprünglich hatte Wallraff eine Lesung in einer geplanten Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld geplant. Nach Ansicht Wallraffs wäre eine solche Lesung ein „Symbol für die Öffnung des Islams“ gewesen. Der Träger der Kölner Moschee, die Türkisch-Islamische Union (Ditib), lehnte nach zunächst signalisierter Offenheit für das Projekt jedoch schließlich ab. Wallraff hatte nach der Ankündigung Morddrohungen erhalten.

KOMMENTAR

Alles hat seine Zeit. Überlegen, was es braucht. Bringt Provokation Wasser auf die Glut?

-markus rabanus-

Montag, März 03, 2008

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Erik schrieb am 02.03.2008 19:57 Uhr: "Das Problem liegt im Prinzip "Aug um Aug - Zahn um Zahn", das vom Alten Testament in den Koran übernommen wurde."

Dieses Prinzip wird annähernd von jedem Strolch und rachsüchtigem Politiker praktiziert, ob nun "übernommen" ohne Kenntnis von Koran und Bibel - "Wie Du mir, so ich Dir", ...

Es ist also die Vorstellung einer Gerechtigkeit durch Erwiderung eines Unrechts mit einer Tat gleicher Art. Und Strafe soll ja sein.
Aber wenn der Bestrafer dem Bestraften die Strafe nicht als verdient glaubwürdig zu machen schafft, dann erscheint dem Bestraften die Strafe nicht als Strafe, sondern als Unrecht.
Das Ergebnis wäre die Doppelung des Leids. Und das wäre sogar noch der "Idealfall", denn in der Realität provoziert das zweite Unrecht oft noch drittes und hundertes Unrecht - als Kettenreaktion.

In der Realität geht es oft noch schlimmer zu, wenn aus beispielsweise einem Attentat direkte Begründung für den 1. Weltkrieg des vergangenen Jahrhunderts wurde. Mit etwa 10 Mio. Toten. So hat man sich auch an "Aug um Aug" nicht gehalten.

Gescheitere Christen und gescheitere Muslime wirst Du nicht finden, die "Aug um Aug" fordern oder praktizieren, weil sie es
a) als Obergrenze der statthaften Reaktion verstehen,
b) die es möglichst zu vermeiden gilt, wenn der Verzicht darauf mehr Augen als durch "Aug um Aug" zu retten wahrscheinlicher macht.

Aber wer die gescheiteren Muslime nicht mag, sondern nur die blöderen, weil sie besser ins Feindbild passen, wird sagen: "Die Muslime müssen Augen ausstechen", während ich sage: "Nein, müssen und dürfen sie nicht, wenn sie gute Muslime sein wollen."

Dann achte drauf, dass Du ihnen nicht zum Anstifter wirst, denn es könnte Dein Auge treffen. Und Du hättest es dann mehr als ich verdient.

-msr- >> www.Diskussionen.de

Donnerstag, Februar 28, 2008

Inidia-Diskussion: Antiislamismus

Anonymer User schrieb am 30.01.2008 11:45 Uhr: "Also ist auch Gandalf einer, der sich stark macht für die Kritik an den Verfehlungen der eigenen Kultur und dabei jene Kulturen in Schutz nimmt, bei denen genau in jenen zu kritisierenden Punkten noch vieles viel ärger aussieht."

Kennst Dich in Deiner eigenen Kultur nicht aus, wenn Du nicht weißt, dass die Kritik am anderen die Selbstkritik voraussetzt, um moralisch glaubwürdig zu sein? >> Mt 7,1-5

Anonymer User schrieb: "Das nämlich gab es im Christentum nie ... und widerspricht somit einer totalitären Auffassung des christlichen Glaubens."


Die Realität steht halt häufig gegen den Anspruch. Darum ließen sich eine Menge Christen vor den Karren der Nazis spannen.

Anonymer User schrieb: "Dürfte ich dich beschuldigen, wenn ich in deinem Namen ein Verbrechen begehe?"

So wenig, wie Du eine Religion für die Verbrechen von Religiösen verantwortlich machen darfst.

Anonymer User schrieb: "Die Kreuzzüge waren natürlich nicht im Interesse Jesu, denn der Unterschied zu Mohammed liegt ja darin, dass letzterer zu Krieg und Gewalt gegen Andersgläubige bereits zu Lebzeiten aufgerufen hat und selbst über 20 Kriegszüge angeführt hat."

Der Prophet der Muslime war mir, Dir, der Merkel, dem Joschka, dem Bush, Blair, Putin, Schröder, Bin Laden usw. sicherlich ähnlicher als dem Jesus des Neuen Testaments, dessen Jenseits-Hoffnung so groß war, dass er den gewaltlosen Widerstand und den Verlust des irdischen Lebens als kleineres Übel empfehlen mochte.
Ich habe Achtung vor solch wahren Märtyrern, aber teile ihre predige ihnen nicht alles nach. Siehst Du das anders? Dann sei gewiss, dass ich Dich auch darin nach Kräften schützen würde, ohne Dir zuzustimmen.

Anonymer User schrieb: "(das christentum bringt auch sehr wohl ideologie mit sich)... aber keine totalitäre, wie das im Islam der Fall ist."

Jesus scheint auch mir nicht totalitär, aber er steht hier politisch auch gar nicht in der Kritik, sondern totalitäre "Christen", absolutistische Herrscher mit ihren Europa verheerenden Kriegen >> "cuius regio, eius religio" = Herrschaft bestimmt das Bekenntnis, wenngleich die Bekenntnisse für die Herrschaft instrumentalisiert wurden. Dazu brauchte es Interpretationen und Auslese solcher Sprüche, die den Widersprüchen entsprachen.

So macht es Bin Laden, so machst Du es - mit dem Islam.

Ich hingegen halte mehr davon, wenn sich Christen, Juden, Muslime, Hindus usw. solcher Interpretationen und Auslesen besinnen, die ihre Glaubensbekenntnisse in deren Pluralität anerkennen und nicht für das gegenseitige Morden instrumentalisieren lassen.

Du scheinst Dir den Frieden davon zu erhoffen, dass Du einen Islam vertrittst, der jeden Muslim verpflichte, Dir den Garaus zu machen. Aber so krass drauf ist vielleicht noch nicht einmal Bin Laden. Befrage mal seine Anhänger, ob Du ihnen andersgläubig sein darfst. Mir wären die Taliban verdächtiger, aber so ganz genau wissen wir es auch bei denen nicht. Es wird halt jede Menge geballert und wenig debattiert.

-msr- >> Diskussionen.de

Freitag, September 07, 2007

ZMD: "Terroristen sind Feinde des Islam"

Aus Anlass der Festnahmen der Terrorverdächtigen im Saarland gibt der Generalsekretär des ZMD, Aiman Mazyek, folgende Stellungnahme ab:
Presseerklärung 05.09.07

„Terroristen sind Feinde des Islam und der Menschheit. Sie haben nichts als kriminelle Energien. Mit dem friedliebenden Islam und den Muslimen in Deutschland hat das nichts zu tun.Ich bin froh, dass die Sicherheitsbehörden erfolgreich ermittelt haben. Sie haben gute Arbeit geleistet und uns alle wahrscheinlich vor einer Katastrophe bewahrt.

Ich erwarte jetzt von den Muslimen, dass sie sich noch energischer mit Extremismus und Terrorismus auseinandersetzen und die Gemeinden dafür sensibilisieren, dass es Bürger – und Muslimpflicht ist, Extremismus zu melden. Der ZMD ist sehr an einer Aufklärung des Hintergrundes dieser Männer interessiert.

Ich erwarte jetzt auch von Staat und Gesellschaft, dass sie uns vor Pauschalverdächtigungen schützen und uns nicht in die Nähe des Terrorismus stellen.“

Sonntag, März 11, 2007

ZMD verurteilt Geiselnahme

Terror und Geiselnahme sind mit dem Islam unvereinbar
Lasst die deutschen Geiseln im Irak frei!


Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) verurteilt mit aller Schärfe die Entführung der deutschen (und nicht nur der deutschen) Geiseln im Irak und fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.

Diese Geiselnahme ist ein verabscheuungswürdiger und durch nichts entschuldbarer und durch nichts zu rechtfertigender krimineller Akt. Die Entführung unbeteiligter Zivilisten ist mit den Werten des Islam nicht vereinbar.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) appelliert im Namen unseres Barmherzigen Gottes an die Geiselnehmer im Irak, auf die Stimme des Islam und des Herzen zu hören und die Geiseln unverzüglich und unversehrt freizulassen.

Unterzeichnet:
Ayyub A. Köhler
Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD)

Köln, 11. März 2007

Freitag, Februar 10, 2006

Pressemittelung des ZMD zum "Karikaturenstreit"

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) verurteilt sowohl die blasphemischen Angriffe durch die Karikaturen auf den Islam und die Muslime als auch die gewalttätigen Ausschreitungen in verschiedenen Ländern der muslimischen Welt. Wir fordern alle Muslime zur Besonnenheit auf und appellieren an sie eindringlich, den Protest friedlich zu äußern. Auch wenn gezielte Provokationen im Umlauf sind, darf für einen Muslim Gewalt kein Mittel zur Lösung des Konfliktes sein.

Jedem Angriff auf die Würde des einzelnen Muslims und des Islam kann nur mit rechtsstaatlichen Mitteln begegnet werden. Unsere Antwort muss ein kritischer und gesamtgesellschaftlicher Diskurs über Werte und die Achtung vor Glauben und Gewissen sein. In den Mittelpunkt des sogenannten Karikaturenstreites gehört die Frage: Wie sieht der zukünftige zivilisierte Umgang mit Glaubensüberzeugungen anderer Religionen und Menschen aus?

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ruft alle gesellschaftlichen Gruppen, die Kirchen und nicht zuletzt die Muslime auf, deeskalierend auf die Spirale der Angriffe in Wort und Bild zu reagieren und sich nicht beirren zu lassen, weiterhin den friedlichen Protest zu gehen.
Ausdrücklich hebt der ZMD die bisher besonnene und vernünftige Haltung der muslimischen Bürger im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Friedens in Deutschland hervor.

Berlin/Köln 10.02.06

Donnerstag, Februar 09, 2006

Kronzeugen der Freiheit?

In Zeiten von Konflikten ist die Versuchung groß, nach Kronzeugen für die eigenen Argumente zu suchen. So haben jetzt, wie die Exil-Iraker vor dem Irakkrieg, diejenigen Konjunktur, die den Seitenwechsel vollzogen. Dummerweise lassen sich Friedensschlüsse nicht Tischen erzielen, an denen der wirkliche Feind nicht sitzt. Es sei denn, man könnte diktieren.

Es geht um einen Spiegel-Artikel mit der Überschrift "Entschuldigt Euch nicht!"
>> www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,398876,00.html

Darin fordert der "in pakistanischen Koran-Schulen erzogene Schriftsteller" Ibn Warraq den Westen auf, die Meinungsfreiheit zu verteidigen. Schön und gut. Wir werden es versuchen. Der Teufel sitzt im Detail. Ibn Warraq wirbt gegen Kompromisse, die Meinungsfreiheit sei die "wichtigste Frage unserer Zeit" und sucht sich Unterstützung bei Größen wie dem britischen Philosoph John Stuart Mill (1806 - 1873), den er aus dem Werk "Über die Freiheit" mit dem Spruch zitiert: "Es ist befremdlich, dass Menschen zugeben, wie wertvoll Argumente für eine freie Diskussion sind, sie jedoch zurückweisen, wenn sie ins Extrem getrieben werden; dabei übersehen sie, dass Gründe, die für den Extremfall nicht taugen, für keinen Fall taugen." Erstens klärt solches Getöne nicht die Frage, was denn "Extremfall" der Meinungsfreiheit sei, ob etwa auch die nachweisliche Unwahrheit, Unverschämtheit usw., zweitens verabsolutiert der Artikel mal wieder die Freiheit, als seien Frieden und Rücksichtnahme nicht gleichwichtige Werte. Auch die klügsten Philosophen sind nur Verirrte, wenn sie nicht merken, dass ihnen das "Wichtigste" stirbt, weil sie anderes in der Wichtigkeit unterschätzen und ihnen daraus keine Relativitäten erwachsen.
Ibn Warraq schließt diesem Irrtum eine abenteuerliche Geschichtsschreibung an, die jeglichen Vorzug und Fortschritt auf Freiheit gegründet sehen will, also übertüncht, wie oft sich die Freiheit ins Extrem konstruiert ihre Grenzen verpasst und ins Gegenteil verkehrt. Ausdrücklich beschreibt Warraq den "britischen Imperialismus" als Kulturbewahrer und reduziert den "islamischen Imperialismus" als Zerstörer all dessen, was uns und nicht nur unseren Archäologen lieb und teuer ist. "Entschuldigt Euch nicht!", so seine andauernde Beschwörung, nicht für historische Verbrechen, denn der Westen baute die Eisenbahnnetze, brachte Medizin und Bildung, ... "Verlangt Dank!", fordert er nicht, aber zwischen den Zeilen, vielleicht doch nicht ganz des Altruismus sicher, wie es sein Text suggeriert. "Entschuldigt Euch nicht!", sonst gelte es auf Beethoven und Shakespeare zu verzichten, stattdessen unseren Frauen die Klitoris beschneiden und sie steinigen im Falle des Ehebruchs. Das können nur Rückständige wollen. Ich also nicht. Was rät uns Ibn Warraq? "Stattdessen sollte man ihnen erzählen von den Jahrhunderten des Kampfes, der zur Freiheit führte, den sie und alle anderen wertschätzen, genießen, und den sie sich zu Nutze machen. ..."
Nun endlich kommt Sinn in sein Essay, aber sein "Stattdessen" bleibt Scheinalternative, betrügerische Illusion, weil die "westliche Freiheit" genau auch deshalb Schatten wirft, so oft sie nur die "Freiheit für den Westen" erstrebt und von den zwei anderen Aufklärungsessentials "Gleichheit, Brüderlichkeit" zu wenig wissen will.

-msr-