Mittwoch, März 12, 2008

Feindbild Islam

Arbeitsthesen zum Antiislamismus

1. Islamismus und Antiislamismus bedingen sich wechselseitig.

2. Das Feindbild Islam gibt es, seit es den Islam gibt.

a) Politische Kriege: Gegenseitig unter Instrumentalisierung der Religionen.

b) Religiöse Konkurrenz: Gegenseitig per Diffamierung der Religionen.

3. Das Feindbild Islam bekam durch den 11.9. terroristisches Format.

a) "Neue Weltordnung": Militärischer Interventionismus unter falschen Vorwänden, z.B. zwecks "Terrorbekämpfung", zwecks "Verhinderung von Massenvernichtungswaffen", zwecks "Verteidigung der Menschenrechte", zwecks "Demokratisierung", ... - nichts davon erwies sich als wahr oder ließ sich militärisch realisieren.

b) "Heiliger Krieg": Terrorismus als Variante der asymmetrischen Kriegsführung, zwar zwecks "Verteidigung des islamischen Glaubens" behauptet, aber eher als politische Opposition zur Partnerschaft zwischen Oligarchien und westlichen Staaten.

4. Das Feindbild Islam ist die neue Ideologie der Ausländerfeindlichkeit.

a) Soziale Konkurrenz: Die asymmetrische Wohlstandsentwicklung auch in den Industrie-Staaten führt zur Verarmung breiterer Schichten und zu Tendenzen, Zuwanderer für die Arbeitslosigkeit und Sozialkürzungen verantwortlich zu machen.

"Geiz ist geil" wurde vom bloßen Werbeslogan zum entsolidarisierenden Prinzip der Asozialität. Gleichwohl ist Geiz und Neid nicht salonfähig. Mit dem Antiislamismus wird ein libertäres Interesse in der Weise vorgeschoben, dass der Koran ausschließlich totalitär zu interpretieren sei und totalitäre Staaten, die sich auf den Islam berufen, nicht mittels Koran zur Achtung der Menschenrechte und zur Demokratie verpflichtbar seien.

b) Beiderseitige Integrationshindernisse: Integration setzt beiderseitige Assimilation voraus, aber wird missverstanden bzw. diffamiert >> www.inidia.de/assimilation.htm ; so wird letztlich auch die Integrationspolitik diffamiert. Muslime, die diesem Feindbild nicht entsprechen, werden sowohl seitens der Islamisten als auch der Antiislamisten als falschgläubig oder ungläubig diffamiert.

Sonntag, März 09, 2008

"Warum sieht man keine Muslime gegen den Islamismus protestieren?"

Es waren vielleicht 25.000 Muslime, die am 21.11.2004 dem Aufruf "Gemeinsam für Frieden und gegen Terror" zur Großdemonstration in Köln folgten und jeglichem Extremismus eine Absage erteilten.

Wer dennoch fragt, warum "man" keine Muslime gegen den Islamismus demonstrieren sieht, sollte sich selber fragen, woran es liegt, dass er es nicht sieht.
Und solchen kann "man" nur anraten, mit Muslimen das Gespräch zu suchen. Sonst bleibt es bei der Verdächtigung - und dann klappt es nicht mit dem "Gemeinsam für Frieden und gegen Terror".

-markus rabanus-

Samstag, März 08, 2008

Wallraff will "Islam positiv provozieren"

Köln (Deutschland), wikinews 08.03.2008 – Der Kölner Schriftsteller Günter Wallraff plant eine Lesung der „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie auf dem Gelände einer Moschee in einem nicht näher bezeichneten Ort in Deutschland. Diese Ankündigung machte Wallraff am Freitag auf dem Literaturfestival lit.Cologne.

Der 1988 erschienene Roman Rushdies hatte in der islamischen Welt für Aufregung gesorgt, weil die darin enthaltene Darstellung des Propheten Mohammed als Beleidigung des Islam interpretiert worden war. Der damalige iranische Religionsführer und Staatsoberhaupt der islamischen Republik Iran, Ayatollah Khomeini, hatte Rushdie wegen der Veröffentlichung des Romans 1989 mit einer Fatwa belegt. Der indisch-britische Schriftsteller lebt seither im Untergrund.

Wallraff beabsichtigt mit der Lesung in einer Begegnungsstätte auf dem Gelände einer Moschee eine „positive Provokation“, die dazu beitragen soll, das literarische Werk Rushdies als ein „Stück Weltliteratur“ wahrzunehmen. Ursprünglich hatte Wallraff eine Lesung in einer geplanten Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld geplant. Nach Ansicht Wallraffs wäre eine solche Lesung ein „Symbol für die Öffnung des Islams“ gewesen. Der Träger der Kölner Moschee, die Türkisch-Islamische Union (Ditib), lehnte nach zunächst signalisierter Offenheit für das Projekt jedoch schließlich ab. Wallraff hatte nach der Ankündigung Morddrohungen erhalten.

KOMMENTAR

Alles hat seine Zeit. Überlegen, was es braucht. Bringt Provokation Wasser auf die Glut?

-markus rabanus-

Montag, März 03, 2008

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Erik schrieb am 02.03.2008 19:57 Uhr: "Das Problem liegt im Prinzip "Aug um Aug - Zahn um Zahn", das vom Alten Testament in den Koran übernommen wurde."

Dieses Prinzip wird annähernd von jedem Strolch und rachsüchtigem Politiker praktiziert, ob nun "übernommen" ohne Kenntnis von Koran und Bibel - "Wie Du mir, so ich Dir", ...

Es ist also die Vorstellung einer Gerechtigkeit durch Erwiderung eines Unrechts mit einer Tat gleicher Art. Und Strafe soll ja sein.
Aber wenn der Bestrafer dem Bestraften die Strafe nicht als verdient glaubwürdig zu machen schafft, dann erscheint dem Bestraften die Strafe nicht als Strafe, sondern als Unrecht.
Das Ergebnis wäre die Doppelung des Leids. Und das wäre sogar noch der "Idealfall", denn in der Realität provoziert das zweite Unrecht oft noch drittes und hundertes Unrecht - als Kettenreaktion.

In der Realität geht es oft noch schlimmer zu, wenn aus beispielsweise einem Attentat direkte Begründung für den 1. Weltkrieg des vergangenen Jahrhunderts wurde. Mit etwa 10 Mio. Toten. So hat man sich auch an "Aug um Aug" nicht gehalten.

Gescheitere Christen und gescheitere Muslime wirst Du nicht finden, die "Aug um Aug" fordern oder praktizieren, weil sie es
a) als Obergrenze der statthaften Reaktion verstehen,
b) die es möglichst zu vermeiden gilt, wenn der Verzicht darauf mehr Augen als durch "Aug um Aug" zu retten wahrscheinlicher macht.

Aber wer die gescheiteren Muslime nicht mag, sondern nur die blöderen, weil sie besser ins Feindbild passen, wird sagen: "Die Muslime müssen Augen ausstechen", während ich sage: "Nein, müssen und dürfen sie nicht, wenn sie gute Muslime sein wollen."

Dann achte drauf, dass Du ihnen nicht zum Anstifter wirst, denn es könnte Dein Auge treffen. Und Du hättest es dann mehr als ich verdient.

-msr- >> www.Diskussionen.de

Donnerstag, Februar 28, 2008

Inidia-Diskussion: Antiislamismus

Anonymer User schrieb am 30.01.2008 11:45 Uhr: "Also ist auch Gandalf einer, der sich stark macht für die Kritik an den Verfehlungen der eigenen Kultur und dabei jene Kulturen in Schutz nimmt, bei denen genau in jenen zu kritisierenden Punkten noch vieles viel ärger aussieht."

Kennst Dich in Deiner eigenen Kultur nicht aus, wenn Du nicht weißt, dass die Kritik am anderen die Selbstkritik voraussetzt, um moralisch glaubwürdig zu sein? >> Mt 7,1-5

Anonymer User schrieb: "Das nämlich gab es im Christentum nie ... und widerspricht somit einer totalitären Auffassung des christlichen Glaubens."


Die Realität steht halt häufig gegen den Anspruch. Darum ließen sich eine Menge Christen vor den Karren der Nazis spannen.

Anonymer User schrieb: "Dürfte ich dich beschuldigen, wenn ich in deinem Namen ein Verbrechen begehe?"

So wenig, wie Du eine Religion für die Verbrechen von Religiösen verantwortlich machen darfst.

Anonymer User schrieb: "Die Kreuzzüge waren natürlich nicht im Interesse Jesu, denn der Unterschied zu Mohammed liegt ja darin, dass letzterer zu Krieg und Gewalt gegen Andersgläubige bereits zu Lebzeiten aufgerufen hat und selbst über 20 Kriegszüge angeführt hat."

Der Prophet der Muslime war mir, Dir, der Merkel, dem Joschka, dem Bush, Blair, Putin, Schröder, Bin Laden usw. sicherlich ähnlicher als dem Jesus des Neuen Testaments, dessen Jenseits-Hoffnung so groß war, dass er den gewaltlosen Widerstand und den Verlust des irdischen Lebens als kleineres Übel empfehlen mochte.
Ich habe Achtung vor solch wahren Märtyrern, aber teile ihre predige ihnen nicht alles nach. Siehst Du das anders? Dann sei gewiss, dass ich Dich auch darin nach Kräften schützen würde, ohne Dir zuzustimmen.

Anonymer User schrieb: "(das christentum bringt auch sehr wohl ideologie mit sich)... aber keine totalitäre, wie das im Islam der Fall ist."

Jesus scheint auch mir nicht totalitär, aber er steht hier politisch auch gar nicht in der Kritik, sondern totalitäre "Christen", absolutistische Herrscher mit ihren Europa verheerenden Kriegen >> "cuius regio, eius religio" = Herrschaft bestimmt das Bekenntnis, wenngleich die Bekenntnisse für die Herrschaft instrumentalisiert wurden. Dazu brauchte es Interpretationen und Auslese solcher Sprüche, die den Widersprüchen entsprachen.

So macht es Bin Laden, so machst Du es - mit dem Islam.

Ich hingegen halte mehr davon, wenn sich Christen, Juden, Muslime, Hindus usw. solcher Interpretationen und Auslesen besinnen, die ihre Glaubensbekenntnisse in deren Pluralität anerkennen und nicht für das gegenseitige Morden instrumentalisieren lassen.

Du scheinst Dir den Frieden davon zu erhoffen, dass Du einen Islam vertrittst, der jeden Muslim verpflichte, Dir den Garaus zu machen. Aber so krass drauf ist vielleicht noch nicht einmal Bin Laden. Befrage mal seine Anhänger, ob Du ihnen andersgläubig sein darfst. Mir wären die Taliban verdächtiger, aber so ganz genau wissen wir es auch bei denen nicht. Es wird halt jede Menge geballert und wenig debattiert.

-msr- >> Diskussionen.de